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Ncube

Wir machen Daten zu Menschenrechtsverletzungen geschützt zugänglich.

Ncube unterstützt Menschenrechtsaktivist*nnen und Enthüllungsjournalist*nnen dabei, Daten zu einem Teil ihres investigativen Werkzeugkastens zu machen. Es erlaubt, Daten zu sammeln, zu recherchieren und zu verifizieren, mit dem Ziel inspirierende Geschichten zu erzählen, die Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen aufdecken.

Das ist Ncube

Daten sind mittlerweile ein integraler Bestandteil moderner Gesellschaften geworden. Datenbasierte Untersuchungen haben an Bedeutung gewonnen – auch in der täglichen Arbeit von Menschenrechtsaktivist*innen.

Mit Werkzeugen wie Sugarcube konnte das Syrian Archive Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Bis heute wurden mehr als 3,5 Millionen Videos, Bilder und Zeugenaussagen von Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube gesammelt und damit eines der bedeutendsten Dokumentationsarchive über den Krieg in Syrien geschaffen.

Auf unserer vorhergehenden Arbeit an Sugarcube aufbauend, haben wir Ncube entwickelt, ein Werkzeug, mit dem quantitative Daten in qualitative Daten umgewandelt werden können.

Es gibt zwar auch andere Werkzeuge mit ähnlichen Zielen, doch jedes von ihnen konzentriert sich auf einen etwas anderen Aspekt der Datenuntersuchung. Ncube füllt Lücken, die von diesen Werkzeugen nicht abgedeckt werden, und versucht, ein umfassenderes Werkzeug zu sein. Für Syrian Archive wird Ncube einen Großteil der manuellen Arbeit im Verifizierungsprozess ersetzen. Wir haben uns jedoch entschlossen, nicht bei den Anforderungen des Syrian Archive aufzuhören. Interviews mit investigativen Journalist*innen haben die Entwurfsphase stark beeinflusst. Wir glauben, dass Ncube ein wertvolles Werkzeug zur Organisation von Datenquellen, zur gemeinsamen Nutzung von Datenbeständen und zur Verbesserung der Faktenprüfung werden wird.

Ncube ist eine grafische Desktop- und plattformübergreifende Anwendung, die es Menschenrechtsaktivist*innen und anderen Forscher*innen ermöglicht, Daten zu sammeln, zu recherchieren und zu verifizieren. Wir sind vom aktuellen Trend abgewichen, jede Anwendung als webbasierte Anwendung zu entwickeln. Stattdessen, um die Rechte der Benutzer*innen zu betonen, haben wir Ncube als Local-First Software konzipiert. Dieser Ansatz verbessert die Sicherheit, den Datenschutz, die langfristige Bewahrung und die Benutzerkontrolle von Daten. Obwohl Ncube selbst eine Desktop-Anwendung ist, kann es sich mit externen Workspaces verbinden, die auf einem zentralen Server gehostet werden und ermöglicht so Zusammenarbeit. In zukünftigen Versionen von Ncube können zudem dezentralisierte, peer-to-peer Formen von Kooperation möglich sein.

data details

Sammlung

Ncube bietet eine Benutzerschnittstelle zur Ausführung von Sugarcube Datenprozessen. Es vereinigt verschiedene Arten und Quellen von Daten (z. B. Tweets, Websites, Uploads) in einem gemeinsamen Format und sammelt Text, Bilder und Videos. Die Daten werden mit zusätzlichen Informationen erweitert, um ihre forensische Gültigkeit zu erhöhen. Dieser Ansatz ermöglicht die systematische Erfassung eines breiten Spektrums von Datenquellen. Die Erfahrungen mit dem Syrian Archive zeigen, dass Online-Daten tendenziell verschwinden – daher erstellt Ncube von allen gesammelten Daten eine Offline-Kopie.

Recherche

Ncube ermöglicht den Zugriff auf die gesammelten Daten über ein Suchsystem. Ncube verwendet Suchoperatoren, die auf boolescher Logik basieren, welche die primäre Schnittstelle zur Erkundung der Datenbank darstellen. Die Suchergebnisse können darüber hinaus auf der Grundlage von Metadaten und Tags gefiltert werden. Relevante Suchanfragen können für einen späteren schnellen Zugriff gespeichert werden.

Investigation

Verifizierung

Die Entwicklung einer geeigneten Methodologie ist ein wesentlicher Aspekt jeder Datenuntersuchung. In Ncube besteht eine Methodologie aus:

Ncube legt einen Schwerpunkt auf die Fähigkeit, verschiedene Verifizierungsprozesse und Annotationsschemata zu beschreiben. Forscher*innen sollten ihre Methodologie nicht kompromittieren müssen, um sich ihren Werkzeugen anzupassen.

Sobald eine Methodologie definiert ist, ermöglicht Ncube die systematische und strukturierte Anwendung eben dieser Methodologie auf einen gesamten Datenbestand. Das Ergebnis dieses Prozesses ist ein verifizierter Datensatz.

To cube or not to cube

Browser sind zweifellos eines der wichtigsten Werkzeuge, die Forscher*innen tagtäglich benutzen. Um Hürden bei ihrer täglichen Arbeit zu verringern, hat Ncube eine ergänzende Browser-Erweiterung für die Quellensuche. Während des Browsens können Forscher*innen interessante URLs mit einem Klick an Ncube senden, ohne die Browserumgebung verlassen zu müssen.

Alle Funktionen von Ncube dienen einem Zweck: Dem Erstellen eines verifizierten Datensatzes. Forscher*innen müssen ihren Daten vertrauen können, um Aussagen zu einem bestimmten Ereignis machen zu können. Diese Aussagen werden dann in Berichten, Artikeln und Gerichtsverfahren verwendet und müssen daher einer Überprüfung standhalten. Verifizierung ist ein wesentliches Werkzeug in einer postfaktischen Welt. Sie ermöglicht es uns, inspirierende Narrative zu erzählen, die Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen enthüllen.

Die Funktionen unseres Tools rund um die Sammlung, Recherche und Verifizierung von Daten dienen alle diesem einen Ziel.

Discovery

Das “nicht-skalierbare Projekt”

Die Einführung datengestützter Prozesse in die bestehende Menschenrechtsarbeit kann eine Herausforderung darstellen. Forscher*innen sehen sich mit einer Unzahl von datenbezogenen Werkzeugen konfrontiert und müssen zwischen verschiedenen Funktionen und Kompromissen wählen. Traditionell wurden Empfehlungen für solche Werkzeuge im Menschenrechtsbereich in erster Linie auf der Grundlage ihrer Lizenzierung ausgesprochen. Ich glaube, dass wir andere Kategorien finden müssen, auf denen wir Empfehlungen für Werkzeuge und Technologien basieren.

Die meisten Werkzeuge und Technologien sind heutzutage so konzipiert, dass sie sich “hochskalieren” lassen. In der technologischen Welt wird Skalierbarkeit als die Fähigkeit, ein Projekt zu erweitern, ohne seine Organisation oder Annahmen ändern zu müssen, definiert. Skalierbarkeit setzt voraus, dass unbekannte und variierende Projektelemente ignoriert werden. Um zu expandieren, muss das Projekt neue oder bisher unbekannte Beziehungen ignorieren. Zum Beispiel lässt ein skalierbares Forschungsprojekt nur Daten zu, die bereits in den Forschungsrahmen passen. Ebenso ändert ein skalierbares Werkzeug seine Arbeitsweise nicht, während es in Gebrauch ist.

Im Bereich der Menschenrechte gibt es jedoch eine Vielzahl offener und unstrukturierter Zusammenkünfte, die ein vielschichtiges Netzwerk hervorbringen. Das Hinzufügen neuer Beziehungen ist für den Erfolg und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteur*innen in diesem Bereich von entscheidender Bedeutung. Wenn die von uns eingesetzten Werkzeuge sich nicht anpassen können, schränken wir unsere Möglichkeiten stark ein. So verhindert Skalierbarkeit eine sinnvolle Vielfalt.

Wenn wir Werkzeuge bauen, sollten wir immer die Community, für die wir diese Werkzeuge herstellen, in den Mittelpunkt unseres Denkens stellen. Viel zu oft tappen wir in die Falle, Werkzeuge um der Technologie willen zu bauen. Es ist leicht, die Auswirkungen und Kompromisse zu vergessen, die Werkzeuge ihren Benutzer*innen auferlegen können. Viel zu oft priorisieren Werkzeugentwickler*innen Skalierbarkeit und die Wahl des Technologiestacks gegenüber Werten wie Flexibilität, Wiederverwendbarkeit und der Einbettung eines Werkzeugs in einen breiteren sozialen Kontext.

Abschließende Worte

Ausgehend von verschiedenen Fallstudien beobachteten wir unterschiedliche Wege, wie Forscher*innen Daten als Teil ihrer Untersuchungsinstrumentarien verwenden. Die Merkmale von Ncube wurden auf der Grundlage dieser Analyse ausgewählt. Wir wollten eine große Flexibilität bei der Definition geeigneter Methodologien ermöglichen, sodass Ncube für eine Vielzahl von Datenuntersuchungen anwendbar ist. Darüber hinaus wollten wir, dass Ncube sich nahtlos in den sozialen Kontext der Forscher*innen und ihrer Netzwerke einfügt, um vielfältige Formen der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die Werkzeuge, die wir verwenden, sollten sich den Menschen anpassen – nicht andersherum.

Um zu erfahren, wie du Ncube für deine Datenuntersuchungen einsetzen kannst, lies den Get Started Guide. Wenn du Hilfe zu Ncube und Methoden der Datenuntersuchung erhalten oder neue Anwendungsfälle und Funktionen vorschlagen möchtest, kannst du gerne im Sugarcube Tools Community Forum posten. Ncube ist eine unvollendete Software in einer unperfekten Welt. Wenn du glaubst, dass etwas nicht so funktioniert, wie es sollte, melde es bitte auf dem Ncube issue tracker.

Wir wollen dem Prototype Fund und dem BMBF für die Möglichkeit danken, Ncube zu entwickeln. Die anhaltende Unterstützung in den letzten Monaten hat es uns erlaubt, Ncube erfolgreich über die Ziellinie zu bringen.